Stottern bei Erwachsenen und Jugendlichen

Ursachen für das Stottern bei Erwachsenen und Jugendlichen

Stotterpatientin

In der wissenschaftlichen Forschung werden zahlreiche Ursachen für das Stottern diskutiert. Keine dieser Ursache konnte als alleinige für jegliches Stottern bestätigt werden. Die heutige Forschung geht davon aus, dass Stottern durch ein Bündel von Faktoren bedingt ist, wobei die Art der Kombination dieser Faktoren individuell unterschiedlich ist. Darüber hinaus bleiben die Verursachungskomponenten nicht ein Leben lang die gleichen, sondern sie verändern sich im Zuge der individuellen Entwicklung.

Stottern ist im Allgemeinen eine Unterbrechung des Redeflusses. Art und Ausprägung des Stotterns ist bei jedem anders. Wie sich Stottern bei Erwachsenen und Jugendlichen darstellen kann:

  • Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern („Gib mir mal den B-b-bleistift). Die  Wiederholungen können in der Frequenz und in der Spannung sehr unterschiedlich sein.
  • Dehnung von Lauten („Ich möchte noch Wwwwwwurst“). Die Länge der Dehnung variiert.
  • Blockaden. Es entsteht eine spannungsreiche Pause, der Stotternde möchte etwas sagen, er bekommt es aber nicht raus. Häufig „gefriert“ dabei der Mund in einer Stellung ein, er verkrampft.
  • Mitbewegungen. Während des Stotterns treten Bewegungen des Gesichtes (z.B. Augen zukneifen) oder des Körpers (z. B. Fuß stampfen) auf.
  • Vermeidung. Laute, Wörter, bestimmte Sprechsituationen oder Sprache insgesamt werden vermieden, Sätze werden abgebrochen und umformuliert, was dazu führen kann, dass die Übermittlung des Gedankens nur schwer gelingt.
  • Folgesymptome. Durch das Stottern können psychische Folgesymptome wie geringes Selbstbewusstsein, Kontaktschwierigkeiten entstehen.

Unbestritten ist aber mittlerweile, dass Stottern keine psychische Störung ist, wie uns das gesellschaftlich weitverbreitete Vorurteil nahe zu legen scheint. Dies schließt nicht aus, dass sich das Stottern unter starker psychischer Belastung verstärken und dass Stottern auch psychische Folgewirkungen haben kann. Deshalb kann eine alleinige Psychotherapie das Stottern auch nicht deutlich reduzieren bzw. kontrollierbarer machen. Im Laufe der Zeit können sich Art und Ausprägung der Symptome verändern.


Weit verbreitet ist folgende Verursachungstheorie des Stotterns, der wir uns anschließen:

Beim Stottern handelt es sich um eine Koordinationsstörung der am Sprechen beteiligten Muskeln, die sich häufig auf Grundlage einer ererbten Disposition entwickelt. Hinzukommen können Einflüsse aus der Sprachentwicklung und psychosoziale Belastungen. Sind Redeunflüssigkeiten erst mal da, so besteht eine wesentliche Ursache in diesen Redeunflüssigkeiten selbst: Der einzelne Organismus registriert dieses nicht-normkonforme Verhalten, versucht – meist unbewusst – etwas dagegen zu tun. Meistens sind diese Reaktionen fehlangepasst. Die Muskelspannung wird erhöht, es kommt zu Einschüben, Vermeidung, Bewegungen im Gesicht und Körper oder ähnlichem. Diese Reaktionen automatisieren sich sehr schnell, da sie scheinbar „Erfolg“ haben. Sie werden dadurch aber Teil der Stottersymptomatik und machen einen Großteil der Symptomatik aus, die man vom chronischen Stotterer kennt. Ein wesentlicher Teil des Stotterns ist der Versuch, das Stottern zu vermeiden. Auf Grundlage dieser Theorie behandeln wir das Stottern bei Erwachsenen und Jugendlichen in unserer Praxis in Hannover –Vahrenwald.


Ansätze, mit denen wir das Stottern bei Erwachsenen in Hannover behandeln

Ansätze, mit denen wir das Stottern bei Erwachsenen in Hannover behandeln
In der Stottertherapie gibt es zwei wesentliche Therapierichtungen, mit denen sowohl das Stottern bei Erwachsenen wie bei Kindern und Jugendlichen behandelt werden kann.
Fluency-shaping-Ansätze. Diese versuchen systematisch, eine neue flüssige Sprechweise aufzubauen und in den Lebensalltag zu übertragen. Hierbei kommen meistens Sprechtechniken zum Einsatz, z. B. Sprechen mit weichen Einsätzen, tönendes Sprechen. Werden diese Techniken korrekt angewandt, so ist ein Stottern nicht möglich. Voraussetzung dafür ist, dass die Technik gut beherrscht wird und dass sie konsequent und durchgehend angewandt wird. Der für die Therapie des Stotterns notwendige Angstabbau wird einerseits dadurch erreicht, dass man sich traut, die Sprechtechnik übertrieben anzuwenden und damit aufzufallen. Andererseits kann das Bestehen von bisher meist vermiedenen Situationen mit der Sprechtechnik Erfolgserlebnisse schaffen, die einen Angstabbau bewirken. Der Stotternde lernt wieder, der Kontrolle seines Sprechens vertrauen zu können und nicht den Unwägbarkeiten seines Stotterns ausgeliefert zu sein.

Die Vorteile einer Behandlung von Stottern bei Erwachsenen liegen auf der Hand:

  • Der Betroffene erlangt mehr Kontrolle über das eigene Sprechen.
  • Das Sprechen und die Kommunikation im sozialen Kontext werden erleichtert
  • Das Zutrauen in die eigene Sprechfähigkeit steigt
  • Das Selbstbewusstsein und die sozialen Chancen steigen

Non-avoidance-Ansätze. Diese versuchen primär die Ängste in Bezug auf das Stottern abzubauen. Erreicht werden soll dies durch eine systematische Desensibilisierung, d.h. das eigene oder absichtliches Stottern soll in gezielten Situationen ausgehalten werden. Durch den hierdurch erreichten Abbau der Stotterängste reduziert sich auch das Stottern selbst, da ein Großteil des Stotterns der Versuch ist, Stottern zu vermeiden. Reduziert sich die Angst vor dem Stottern, so braucht nicht mehr vermieden zu werden. Das dann noch verbliebene Stottern soll durch Techniken nur dann verändert werden, wenn es auftritt.

In unserer eigenen Therapie machen wir eine Kombination von beiden Richtungen, um gegen das Stottern bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen in unserer Praxis in Hannover vorgehen. Je nach individueller Ausgangslage wird ein eindeutiger Schwerpunkt auf der einen oder der anderen Richtung gebildet. Wesentliche Therapiebereiche sind: Analyse des eigenen Stotterns, Reduzierung der Stotterängste, Veränderung des eigenen Stotterverhaltens in Richtung auf mehr Lockerheit und Kontrollierbarkeit, systematisches Training von weichen Stimmeinsätzen mit Unterstützung eines Computerprogrammes, Transferübungen zur Übertragung des Gelernten in Alltagssituationen.

Stottern hat auch psychosoziale Auswirkungen, häufig versuchen Betroffene das Stottern zu verstecken. Stottern ist aber kein Grund, sich zu schämen, sondern eine individuelle Schwierigkeit, die mit professioneller Hilfe verringert werden kann bzw. wo man lernen kann, damit besser umzugehen. Ein Prozent der Erwachsenen stottern, es ist also kein Einzelschicksal. Durch unsere kompetenten Therapeuten und erprobte Maßnahmen kann der Weg aus einer möglichen selbstauferlegten Isolation heraus gefunden werden. Viele Menschen mit dieser Symptomatik vermeiden nämlich Situationen, in denen sie vor anderen und mit anderen sprechen müssen, um sich die vermeintliche Blöße nicht zu geben. Um aus dieser Abgetrenntheit herauszukommen, bieten wir unsere therapeutischen Kenntnisse an. Auch das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl werden gestärkt – der Stotternde lernt, sich selbst zum Ausdruck zu bringen, sich mehr zu trauen. Das Stottern ist nicht, das einfach so von den Betroffenen hingenommen werden muss, es ist eine therapierbare Sprechstörung.

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