Stottern bei Kindern

Bei vielen Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren treten Unflüssigkeiten beim Sprechen auf. Bei den meisten dieser Unflüssigkeiten – meistens relativ lockere Wiederholungen von Silben und Wörtern - handelt es sich nicht um Stottern, sondern um entwicklungsbedingte Unflüssigkeiten, die sich normalerweise nach einer gewissen Zeit von selbst verlieren. 
Sollten die Unflüssigkeiten länger als ein halbes Jahr anhalten, Spannungsanzeichen bzw. Verkrampfungen und ungewöhnliche Bewegungen im Gesicht oder am Körper beobachtbar sind oder das Kind Wörter, Situationen oder Sprache insgesamt vermeidet, so können dies Anzeichen sein, die auf ein beginnendes Stottern hindeuten.


Ursachen

Was Stottern nicht ist:


Es besteht eine Vielzahl von nicht zutreffenden Vorurteilen über das Stottern, von denen man sich nicht leiten lassen sollte:

  • Stottern ist keine schlechte Angewohnheit, die man durch Ermahnung oder gar Strafe verändern könnte. Es ist nicht unmittelbar zu beeinflussen. Deshalb sind alle Tips von der Art: „Atme tief durch!“, „Sag das Wort noch mal!“, sinnlos. Sie können sogar schädlich sein, da sie dem Kind Angst vor neuem Versagen machen.
  • Stottern ist nicht ansteckend. Auch wenn ein Kind manchmal das Stottern anderer nachahmt, so wird es dieses Stottern niemals behalten.
  • Stottern ist kein Zeichen von Dummheit. Stotternde Kinder sind genauso intelligent wie nicht stotternde Kinder.
  • Stottern ist kein Anzeichen von psychischen Problemen oder Erziehungsfehlern. Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass sich sowohl die stotternden Kinder selbst als auch deren Eltern nicht von Nicht-Betroffenen unterscheiden.

Was Stottern ist:

Die meisten stotternden Menschen haben vermutlich eine Veranlagung zum Stottern. Stottern entsteht in einer Zeit, in der sich das Kind körperlich, geistig, emotional und sprachlich am schnellsten entwickelt. Wieso und auf welche Weise es dabei bei einigen Kindern zum Auftreten von Stottern kommt, ist bis heute unbekannt. Viele Einflüsse aus dem körperlichen, dem psychischen, dem sprachlichen und dem sozialen Bereich können bei der Entstehung eine Rolle spielen. Im Wesentlichen ist beim Stottern aber das Zusammenspiel der Sprechorgane (Zunge, Kehlkopf usw.) gestört, Stottern ist eine muskuläre Koordinationsstörung.

In der weiteren Entwicklung des Stotterns wächst die Anstrengung beim Sprechen und das Kind versucht, Stottern zu vermeiden. Es können negative Gefühle und Einstellungen gegenüber dem Sprechen entstehen. Teufelskreise aus Angst und Vermeidung sowie aus Anstrengung und Frustration erhalten dann das Stottern aufrecht oder verstärken es noch. Das Stottern automatisiert sich zunehmend und kann umso schwerer wieder verändert werden, je länger es andauert.


Erscheinungsformen

Stottern ist eine Unterbrechung des Redeflusses. Art und Ausprägung des Stotterns ist bei jedem Kind anders. Häufig treten folgende Symptome auf:

  • Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern („Gib mir mal den B-b-ball). Die Wiederholungen können in der Frequenz und in der Spannung sehr unterschiedlich sein.
  • Dehnung von Lauten („Ich möchte noch MMMMMilch“). Die Länge der Dehnung variiert.
  • Blockaden. Es entsteht eine spannungsreiche Pause, das Kind möchte etwas sagen, es bekommt es aber nicht raus.
  • Mitbewegungen. Während des Stotterns treten Bewegungen des Gesichtes (z. B. Augen zukneifen) oder des Körpers (z. B. Fuß stampfen) auf.
  • Vermeidung. Laute, Wörter, bestimmte Sprechsituationen oder Sprache insgesamt werden vermieden.
  • Folgesymptome. Durch das Stottern können sich psychische Folgesymptome wie geringes Selbstbewusstsein und Kontaktschwierigkeiten entstehen.

Im Laufe der Zeit können sich Art und Ausprägung der Symptome verändern.


Logopädische Therapie

Die logopädische Therapie muss die Individualität des einzelnen Stotternden beachten. Aus unterschiedlichen Therapieelementen wird passend für das jeweilige Kind ein Therapieplan zusammengestellt.
 Mögliche Therapieelemente:

  • Elternberatung. Informationen über das Stottern, förderndes Kommunikationsverhalten, Umgang mit dem Stottern, mögliche Hilfestellungen.
  • Sprechangstabbau. Förderung der Sprechfreude. Förderung des Selbstbewusstseins.
  • Angstabbau bezüglich des Stotterns. Bewusste und unbewusste Ängste bezüglich des Stotterns sind wesentlich dafür verantwortlich, dass sich zusätzliche Symptome entwickeln. Methoden: absichtliches Stottern des Therapeuten und des Kindes, Sprechen über das Stottern, Enttabuisierung.
  • Verflüssigung des Stotterns. Starke Symptome werden lockerer gemacht. Lernen am Modell des Therapeuten.
  • Systematischer Aufbau einer weicheren Sprechweise, die mit dem Stottern unvereinbar ist.

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